Volkert Herzog: Zwischenräume
»Am Anfang war ... Das Wort und die Wirklichkeit verstehe ich als Münze: Tributleistungen des Lebens.« Volkert Herzogs lyrische Stimme seziert leise, nichtsdestotrotz kompromißlos, den »Bilderbuchsturm der entinnerten Vergeßlichkeit«, wobei der spielerische Wechsel zwischen tradierten und freirhythmischen Versformen die zeitlose Aktualität seiner Arbeit unterstreicht. Nichts ist in diesen Gedichten dem Zufall, dem Sentiment überlassen; jedes Wort, jeder Vers – diszipliniert, folgerichtig: Still gebildete Diagramme des Lebens.
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Volkert Herzog, geboren 1940 in Chemnitz, 1961 Wechsel nach West-Berlin. Er lebt und arbeitet als wissenschaftlicher Bibliothekar in Berlin. Veröffentlichung des Gedichtbandes Segmente 1984, danach gelegentliche Einzelveröffentlichungen.
Textprobe:
Stilleben: eine Heimsuchung – XIII
noch drängen die Stunden und fluten
Vergeßnes wie Treibgut an Land
ich schreibe mit den Fingern, sie bluten
geheime Zeichen in den Sand
das Wasser löscht die Gaunerzinken
verspült, belebt, getilgt im Takt
die Rune gesetzt, ein Winken
dem Herz dem tödlichen Katarakt

