Anita Riede: Textnähte
In einer bestechenden, unverwechselbaren Bildsprache lotet Anita Riede die Grenzbereiche des Ichs aus, stets auf der Suche nach der »verwehten Spur beim Blick ins Gedächtnis «. Im zweiten Teil des Buches (Miniaturen für Paul Celan) verdichtet sie ihre Gegenstände auf wenige Verse, so daß man bisweilen an die winterlichen Polarlichter denkt, deren Farben wie Gedanken durch die Nacht huschen und wieder verlöschen, den staunenden Sinnen aber bleibende Erinnerung hinterlassen.
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Anita Riede, 1961 in Singen am Hohentwiel geboren, lebt und arbeitet in Berlin. Studium der Germanistik und Hispanistik in Berlin und Barcelona, Promotion mit einer Arbeit über Nelly Sachs und Paul Celan. Neben Übersetzungen aus dem Spanischen und zahlreichen Gedichtveröffentlichungen in Zeitschriften 3 eigene Lyrik-Veröffentlichungen sowie eine literaturwissenschaftliche Arbeit.
Textprobe:
TEXTNÄHTE, abrissschön.
Eingeschwärzte Fragmente
einer geflickten Sinnesabkunft.
Wortgewebt fein ziselierte
Verzettelungen. Patchwork
gründlich eingeteufelter
Wortfetzen.
Unverknüpft
über dem Flickwerk
geistert
eine blutjunge
Anwesenheit.

